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«Zunehmende Belastung für die Gesundheit»

Thun • Die Grünen Stadt Thun lancieren eine Klimainitiative. Sie soll den Klimaschutz weiter vorantreiben und insbesondere die Gesundheit der Bevölkerung bei Hitzewellen schützen. Co-Präsidentin Lea Schütz erklärt, warum es diese Initiative braucht.

| Adrian Hauser | Politik
Lea Schütz. (Bild: zvg)

Lea Schütz, wie beurteilen Sie die aktuelle Klimastrategie der Stadt Thun?

Die Klimastrategie der Stadt Thun von 2023 ist recht neu und im Vergleich mit anderen Städten aktuell und differenziert. Sie fokussiert sich zu Recht vor allem auf die Verminderung klimaschädlicher Faktoren, was unbedingt notwendig ist. Der Nachteil ist aus unserer Sicht, dass der Zeitplan der Massnahmen schneller vorangetrieben werden dürfte. Zudem sieht die Strategie bislang keine spezifischen Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Hitzewellen vor. Gerade hier besteht aus unserer Sicht ein wichtiger Ergänzungsbedarf.

Warum braucht es trotz der bestehenden Klimastrategie eure Klimainitiative?

Unsere Initiative fokussiert auf den Schutz der Bevölkerung vor den aktuellen und künftigen Hitzewellen, die bereits heute bedrohliche Dimensionen erreichen können, besonders für vulnerable Bevölkerungsgruppen. Wasserläufe, entsiegelte Flächen und mehr Grün haben eine entscheidende Wirkung; sie sind keine Hitzespeicher wie Asphalt, Beton und Stein. Mit der Initiative wollen wir deshalb den öffentlichen Raum in Thun klimaangepasster, lebenswerter und zukunftsfähiger gestalten.

Wie kann man die Menschen vor der zunehmenden Hitze schützen?

Einerseits, indem man die hitzeerzeugenden Faktoren konsequent reduziert und weiterhin auf Netto-Null hinarbeitet. Andererseits braucht es eine hitzeresistentere Gestaltung der Siedlungsräume, die gleichzeitig auch lebensfreundlicher ist und mehr Begegnungen ermöglicht. Konkret heisst das: Hitzespeicher abbauen, Schatten schaffen, mehr Bäume und Grünflächen fördern, die Entsiegelung vorantreiben und das Schwammstadtprinzip konsequent anwenden. So lässt sich die Hitzebelastung wirksam senken.

Warum ist die Entsiegelung versiegelter Flächen so wichtig?

Die Entsiegelung ist zentral, weil versiegelte Flächen Wärme speichern und Regenwasser kaum aufnehmen können. Wenn Flächen entsiegelt werden, sinkt die Hitzebelastung, Wasser kann besser versickern und bei Starkregen zurückgehalten werden. Gleichzeitig entstehen Räume für Bäume, Grünflächen, Biodiversität und eine höhere Aufenthaltsqualität. Die Entsiegelung ist deshalb ein wichtiger Baustein für mehr Klimaanpassung und Lebensqualität im öffentlichen Raum.

Sie orientieren sich an erfolgreichen Stadtklima-Initiativen anderer Städte. Welche sind das, und welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus?

Insgesamt befassen sich 14 Städte mit Stadtklima-Initiativen, nämlich Olten, Zofingen, Wädenswil, Aarau, Basel, Bern, Biel, Chur, Genf, Ostermundigen, St. Gallen, Winterthur, Zürich und Burgdorf. Positiv ist, dass wir mit diesen Städten Partnerinnen und Partner haben, mit denen wir Erfahrungen austauschen und gemeinsam lernen können. Das zeigt, dass Stadtklima-Initiativen breit anschlussfähig sind und sich in unterschiedlichen städtischen Kontexten bewähren.

Sie reden von einem beschleunigten Klimawandel. Woran machen Sie den fest?

Die Daten der Klimaforschung lassen daran keinen Zweifel. Die Erwärmung verläuft nicht abstrakt, sondern zeigt sich ganz konkret in häufigeren und intensiveren Hitzewellen, längeren Trockenperioden und zunehmender Belastung für Gesundheit, Infrastruktur und Natur. Ein besonders aktuelles und deutliches Signal ist der Anstieg der Hitzetoten beziehungsweise der Übersterblichkeit bei Hitzewellen. Das macht klar: Es braucht jetzt zusätzliche Massnahmen.

Die Initiative hat die Form einer «einfachen» Anregung. Warum haben Sie diese Form gewählt?

Wir haben diese Form gewählt, um Offenheit und Tempo in der Umsetzung zu gewährleisten. Die einfache Anregung gibt der Stadt den nötigen Spielraum, um ein gutes Reglement mit klaren politischen Leitplanken auszuarbeiten. Gleichzeitig bleibt das Ziel klar: Die klimaangepasste Gestaltung des öffentlichen Raums soll verbindlich und wirksam vorangetrieben werden.

Wie gestaltet sich die bisherige Suche nach Bündnispartner bzw. Bündnispartnerinnen?

Die Suche nach Bündnispartnerinnen und Bündnispartnern läuft gut an. Wir sprechen derzeit politische Kreise sowie Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Verkehr und Quartier an und freuen uns auch über weitere engagierte Personen, die unser Anliegen unterstützen möchten. Uns ist wichtig, ein breites und tragfähiges Bündnis aufzubauen, damit die Initiative eine starke Unterstützung erhält.

Was treibt Sie persönlich an, sich für dieses Thema zu engagieren?

Ich habe 2019 angefangen, mich in Thun politisch zu engagieren, damals mit einer Jugendmotion. In dieser forderten wir Netto-Null in Thun und den Klimanotstand in der Stadt Thun. Aus dieser Forderung ist später die Klima-strategie entstanden, die in einem partizipativen Verfahren erarbeitet wurde. Mir persönlich liegt diese Thematik extrem am Herzen. Ich bin in Thun geboren und aufgewachsen, schätze Thun mit seiner enormen Lebensqualität und sehe auch das Potenzial, das Thun gerade in Hinblick auf das Klima noch hat und seine Verantwortung wahrnehmen kann.


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