«Eine biologische, regionale, saisonale, mehr pflanzenbasierte Ernährung stärkt Gesundheit»
Gastbeitrag • Zur Kampagne der eidgenössischen Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser».

Ich bin Ärztin, Vorstandsmitglied der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz und Kantonsrätin im Kanton Luzern und unterstütze die Ernährungsinitiative aus voller Überzeugung und mit meinem fachlichen Hintergrund.
Unsere Gesundheit ist untrennbar mit der unserer Umwelt und dem Einwirken von Schadstoffen verbunden. Lebendige Böden für gesunde und schadstofffreie Lebensmittel, sauberes Wasser und frische Luft sind essenziell für das Wohlergehen der Bevölkerung – aber auch für Tiere und Pflanzen, mit denen wir in einem empfindlichen Gleichgewicht leben. Wenn wir diese natürlichen Ressourcen verschmutzen oder zerstören, sägen wir buchstäblich am eigenen Ast und gefährden nicht nur unsere eigene Zukunft, sondern auch die der kommenden Generationen.
Die Initiative «Für eine sichere Ernährung» setzt genau hier an: nämlich bei der Förderung der nachhaltigen Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln. Dabei legt sie gleichzeitig den Fokus auf die Ernährungssicherheit und den wichtigen Schutz der Böden. Eine biologische, regionale, saisonale und mehr pflanzenbasierte Ernährung stärkt nachweislich unsere Gesundheit und Widerstandsfähigkeit. Das entspricht auch den Ernährungsempfehlungen des Bundes: Bestimmte Lebensmittelgruppen werden darin stärker hervorgehoben, wie zum Beispiel pflanzliche Proteinquellen, Vollkornprodukte sowie saisonale und regionale Früchte und Gemüse. Durch die Förderung einer solchen Ernährung und das Vermeiden von schädlichen Einflüssen könnten wir der wachsenden Belastung durch Zivilisationskrankheiten – den sogenannten nicht übertragbaren Krankheiten (NCDs), also Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – entgegenwirken. Dabei geht es einerseits um die Menge der verfügbaren wertvollen pflanzlichen Lebensmittel, aber auch um deren Qualität und um die Bedingungen, unter denen sie erzeugt werden.
Schlüsselrolle gesunde Ernährung
Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen, der Fachkräftemangel und die zunehmende Belastung durch chronische Krankheiten und Krebs zeigen deutlich, dass wir dringend Massnahmen zur Förderung der Resilienz und Gesunderhaltung der Bevölkerung durch Primärprävention brauchen. Eine intakte Umwelt und eine nachhaltige, gesunde Ernährung spielen dabei eine Schlüsselrolle.
Besonders besorgniserregend ist die wachsende Belastung unserer Lebensgrundlagen durch Schadstoffe wie PFAS, Mikroplastik, Rückstände von Pestiziden und anderen Schadstoffen, die mittlerweile im Trinkwasser, in der Muttermilch und überall im menschlichen Körper nachgewiesen werden.
Bemerkenswert ist, dass selbst der Bundesrat in seiner Botschaft anerkennt, dass unser Ernährungssystem erhebliche Kosten für Umwelt, Klima und Gesundheit verursacht. Er bestätigt die Defizite bei Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit, zu hohe Stickstoffverluste, die Belastungen von Gewässern und Grundwasser neben Nitrat- und Pestizidrückständen mit zunehmend weiteren Mikroverunreinigungen und die Notwendigkeit einer Transformation in Richtung nachhaltiger Ernährungssysteme. Die Ernährungssicherheit könne nicht allein anhand von Kalorien beurteilt werden; wichtig seien auch die Qualität der Lebensmittel und die Art ihrer Produktion.
Die «Initiative für eine sichere Ernährung» überzeugt mich, weil sie bei den Grundlagen ansetzt. Sie stärkt die langfristige Versorgungssicherheit unserer Bevölkerung und schützt deshalb jene Ressourcen, von denen die Lebensmittelproduktion abhängt. Dies sind besonders fruchtbare und wasserspeichernde Böden sowie funktionierende Ökosysteme und Biodiversität.
Das Vorsorgeprinzip
In der Medizin gehört das Vorsorgeprinzip zu den wichtigsten Grundsätzen verantwortungsvollen Handelns. Wir greifen ein, bevor Schäden irreversibel werden. Genau dieser Gedanke findet sich auch in der Initiative wieder. Das heutige Agrar- und Ernährungssystem verursacht Folgekosten in den Bereichen Umwelt, Klima und Gesundheit in Höhe von 31,8 Milliarden Franken jährlich. Die Initiative sorgt mit ihren Forderungen und verbindlichen Zielen dafür, dass diese Folgekosten vorsorglich vermieden und abgebaut werden.
Die Initiative «Für eine sichere Ernährung» lenkt den Fokus zurück auf unsere Grundbedürfnisse – Gesundheit, Schutz vor schädlichen Einflüssen, Ernährungssicherheit, gesunde Lebensmittel, sauberes Trinkwasser, reine Luft. Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft diese Verantwortung ernst nehmen und mit nachhaltigen Massnahmen die Grundlage für unsere Zukunft schaffen. Sabine Heselhaus
Dr. med. Sabine Heselhaus ist Co-Präsidentin Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
Zentralschweiz, Mitglied Zentralvorstand Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz Schweiz, Kantonsrätin Kanton Luzern, Co-Präsidentin Ernährungsforum Stadt Land Zentralschweiz.







