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Taubenschläge zum Wohle aller

Thun • Stadträtin Franziska Eggenberg ist überzeugt, dass die Stadt Thun ein Taubenkonzept braucht. Sie hat ein entsprechendes Postulat eingereicht, das kürzlich vom Stadtrat angenommen wurde. Ist nun eine Lösung in Sicht für ein Problem, das man lange vor sich hergeschoben hat?

| Adrian Hauser | Politik
Taubenschläge ermöglichen artgerechte Fütterung und Geburtenkontrolle. (Pixabay)

«Das Thema wurde politisch immer wieder auf die lange Bank geschoben», ist die Thuner Stadträtin Franziska Eggenberg (EDU) überzeugt. Ende 2025 reichte sie beim Gemeinderat ein Postulat ein mit dem Titel «Die Stadt Thun braucht ein Stadttaubenkonzept». Neben der EDU waren auch EVP, GLP und SP am Postulat beteiligt. Es ist aber nicht das erste dieser Art. Bereits 2020 wurde ein entsprechendes Postulat für einen «tierschutzgerechten Umgang» mit den Stadttauben eingereicht. Es forderte den Gemeinderat unter anderem dazu auf, die Errichtung von Taubenschlägen sowie Pflegestationen als «nachhaltige und tierschutzkonforme Lösung» für die Tauben und die Anwohnenden zu prüfen. Passiert ist seither jedoch nichts. Die Stellungnahme des Gemeinderates war damals einigermassen schwammig. Die Mitarbeitenden der Stadt hätten sich nie einer Konzeptänderung verschlossen, hielt er fest. Sie hätten jedoch verlangt, «dass sowohl punkto Umsetzung als auch Finanzierung und das Zur-Verfügung-Stellen von Taubenschlägen auf privatem Grund eine Beteiligung von privater Seite zugesichert werden muss». Und es seien bis zu diesem Zeitpunkt in Bezug auf die Standorte keine Vorschläge gemacht worden, die sich auf privatem Grund umsetzen liessen. Darauf versandete das Thema immer wieder auf der politischen Agenda, bis es Franziska Eggenberg fünf Jahre später wieder aufnahm. In ihrem Postulat verweist sie auf das Biodiversitätskonzept und das Biberkonzept. «Nur ein Taubenkonzept gibt es in Thun im Gegensatz zu anderen Städten wie beispielsweise Basel nicht», erklärt Franziska Eggenberg. «Dabei wäre eine Lösung im Interesse aller und eine Win-win-Situation.» In ihrem Postulat fordert sie insbesondere die Inbetriebnahme von drei Taubenschlägen. Diese würden eine kontrollierte Fütterung sowie eine Geburtenkontrolle durch den Austausch von Eiern erlauben. Die Population könnte so in Schach gehalten werden. Durch eine kontrollierte Fütterung haben die Tauben keinen flüssigen Kot, der durch falsche Nahrung etwa aus Essensresten und Abfall entsteht. Ein Taubenkonzept in Augsburg, das 2017 eingeführt wurde, zeigt zudem auf, dass durch die kontrollierte Fütterung die Verschmutzung an Gebäuden deutlich abnahm. Durch die medizinische Versorgung hat sich dort zudem der Gesundheitszustand der Tiere wesentlich verbessert.

Postulat angenommen

Trotz allem sah der Thuner Gemeinderat noch immer keinen Handlungsbedarf, wie er in seiner Antwort auf das Postulat von Franziska Eggenberg festhielt: «Gestützt auf die umfangreichen Abklärungen der Verwaltung während der letzten Jahre ist der Gemeinderat der Ansicht, dass die bestehenden Massnahmen ausreichen und es kein umfassendes Stadttaubenkonzept benötigt.» Der Gemeinderat verwies da­rauf, für Lösungen bereit zu sein, wenn sich Private dafür bereit erklärten. In der entsprechenden Stadtratssitzung empfahl der Gemeinderat dem Stadtparlament, das Postulat abzulehnen. Der Stadtrat war von der Haltung des Gemeinderats nicht überzeugt und entschied anders. Er nahm das Postulat im März mit 22 gegen 13 Stimmen an. Der Gemeinderat hat damit den Auftrag, ein entsprechendes Taubenkonzept auszuarbeiten. «Das Postulat wurde damit als erheblich erklärt», freut sich Franziska Eggenberg. Sie hofft, dass es nun endlich vorwärtsgeht. Sie schlägt vor, als Taubenschläge beispielsweise alte Bauwagen zu nutzen. Das wäre eine kostengünstige Lösung. Auch gäbe es in ihren Augen bestimmt genug Freiwillige – sprich: «Private» –, die sich am Bau und am Unterhalt solcher Taubenschläge beteiligen würden.

Richtig informieren

Eine dieser «Privaten» ist Ruth Gerber. Die Tierschützerin setzt sich seit Jahren ehrenamtlich für Thuns Stadttauben ein. Ihr ist wichtig, dass die Bevölkerung richtig über die Tiere informiert ist. «Stadttauben sind keine Wildtiere, die ihre Nahrung in der Natur finden, sondern domestizierte Felsentauben, welche sich vorwiegend von Körnern ernähren», erklärt sie. Da die Tauben vor vielen Jahren wegen ihres Fleisches und des Kots als Dünger domestiziert wurden, suchen sie gemäss Ruth Gerber Städte auf, wo sich viele Menschen befinden, um sich mit den Essensabfällen am Leben zu erhalten. «Diese Nahrung macht die Tauben krank, und es kommt zum flüssigen Taubenkot, welcher von den Menschen als negativ wahrgenommen wird», so Ruth Gerber weiter. Flüssiger Kot entstehe durch falsche Ernährung oder durch Hunger. Der Kot in den betreuten Taubenschlägen sei hingegen krümelig und trocken, die Menschen würden bei der Reinigung der Schläge Masken tragen. Da die Stadttauben eigentlich Felsentauben sind, nisten sie nicht auf Bäumen, sondern in Mauernischen, teilweise auf Balkonen und unter Brücken. «Die grösste Taubenproblematik zeigt sich wegen fehlender Schläge wohl am ehesten in der Altstadt, da sich ältere Häuser besonders gut zum Nisten eignen», führt Ruth Gerber weiter aus. «In der Stadt Thun werden rund 300 Tauben seit über zehn Jahren täglich an zwei Stellen ausserhalb der Stadt mit Körnern versorgt. Das bewirkt, dass diese Tauben nicht in der Innenstadt auf dauernder Futtersuche anzutreffen sind. Nach der Fütterung kann man sie oft auf Dächern beobachten.» Seit Januar 2025 hat sich in Thun gemäss Ruth Gerber nach und nach eine Gruppe gebildet, welche sich dafür einsetzt, dass die Tauben von der Politik ernst genommen werden und dass man ihnen betreute Schläge zur Verfügung stellt. «Zurzeit sind wir fünf Personen, und weitere werden dazukommen», sagt Ruth Gerber. Im Herbst steht die Gründung einer Sektion an. «Wir werden dann eine Untergruppe der Stadttauben Schweiz sein», sagt Ruth Gerber. Somit wird es auch möglich sein, Infomaterial zu erhalten, welches bereits in anderen Städten verwendet wird. «Ich hoffe, dass wir für einen Infostand eine Bewilligung der Stadt Thun erhalten werden», erklärt sie.

Ruth Gerber geht von einem Taubenbestand von rund 500 in der Stadt Thun aus. Zurzeit gibt es zwei Taubenschläge in Holzbrücken, die je 20 Tauben Platz bieten. Das ist also ein Tropfen auf den heissen Stein.


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