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«Über 80 Prozent der Risse erfolgen in ungeschützten Schafherden»

Wolf | Die Frist zur proaktiven Tötung von Wölfen ist abgelaufen. Animiert durch eine dem Jagdgesetz in wichtigen Teilen widersprechende Jagdverordnung sind in zwei Monaten rund 50 Wölfe getötet und mindestens zwei ganze Rudel ausgelöscht worden. «Dadurch ging die Balance zwischen Arten- und Herdenschutz und einer auf die Vermeidung von grossen Schäden ausgerichteten Wolfsregulierung verloren» sagt «Pro Natura» Schweiz.

| Sonja Laurèle Bauer | Politik
Wolf
Der für die Umwelt so wichtige Wolf wurde zum Feindbild degradiert. Foto: Pixabay

Die handstreichartig verfügte Jagdverordnung mit willkürlich festgelegten Schwellenwerten und die darauf basierende, flächendeckend bewilligte Eliminierung ganzer Rudel sei, im Wortsinn, ein Schnellschuss mit bedenklichen Folgen gewesen. «Die gesetzlich geschützte Tierart Wolf wurde zum Schädling degradiert, und auch weitgehend unauffällige Rudel sollten dezimiert oder gar eliminiert werden. In den letzten zwei Monaten der ersten proaktiven Wolfsregulierung wurden so gegen 50 Wölfe getötet und mindestens zwei Rudel ganz ausgelöscht.» Ein Fakt: «Die Anzahl Risse ist rückläufig. Der Herdenschutz wirkt.» Dabei zeigt die Rissbilanz, dass der Herdenschutz wirkt. Im Kanton Graubünden gingen die Risse an Nutztieren um fast 50 Prozent zurück, im Kanton Glarus um rund 80 Prozent. Nur fünf der gerissenen Bündner Nutztiere wurden von 23  da-für zum Abschuss freigegebenen Wölfen aus vier Rudeln gerissen. Von 39 gerissenen Nutztieren im Walliser Nanztal waren nur sieben geschützt, obwohl der Herdenschutz als zumutbar eingestuft worden war. Im Gegenzug hätte das ganze Nanztal-Rudel, bestehend aus fünf Tieren, getötet werden sollen. «Das sprengt jede Verhältnismässigkeit.» Deshalb haben die Naturschutzorganisationen eine gerichtliche Überprüfung veranlasst. «Nach wie vor erfolgen über 80 Prozent der Risse schweizweit in ungeschützten Schafherden, und rund 80 Prozent der Tierverluste während der Sömmerung sind nicht dem Wolf zuzuschreiben.»

Groteske Profilierung

Diese Fakten stünden im krassen Gegensatz zu den Auswüchsen der nun zu Ende gehenden Wolfsjagd: «Grotesk auch, dass der Bund ausgerechnet jetzt bei der Finanzierung des bewährten, nationalen Herdenschutzhunde-Programms Verunsicherungen bei allen Akteuren verursacht. Ein kantonaler Flickenteppich, nachteilig für die Tierhalter, wird in Kauf genommen.» Mögliche grössere Schäden durch Wölfe sollten durch Regulierung reduziert werden können, so «Pro Natura». Da dies im Jagd- und Schutzgesetz (JSG) so vorgesehen sei. Das JSG setze jedoch Verhältnismässigkeit genauso voraus wie die Achtung des Wolfs als Teil des Ökosystems sowie die weitere Stärkung des Herdenschutzes. «In praktisch allen Kantonen wären Wille und Fachkompetenz für eine ausgewogene Arbeit vorhanden. Zeit also, dass das Umweltdepartement eine Jagdverordnung aufgleist, die auf Fakten basiert.»

Risse Statistik


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